Biodiversitätsschutz ins Grundgesetz

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Biodiversitätsschutz ins Grundgesetz

So, 24/03/2019 - 21:02
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Petition

Im Artikel 20a des Grundgesetzes heißt es: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Dem TV-Moderator Dirk Steffens („Terra X“) ist das nicht genug. In einem Interview mit der Zeitschrift GEO antwortet er auf die Frage, ob Artikel 20a denn nicht ausreiche: “Offensichtlich nicht, denn dann säßen wir nicht in dem Schlamassel, den wir nun haben. Artikel 20a ist so allgemein, dass jeder zustimmen kann, aber keiner etwas ändern muss. Was wir wollen, ist viel mehr als eine bloße Erklärung, Artenschutz müsse ein Staatsziel werden. Denn das hat mitunter nur die Wirksamkeit einer Sonntagsrede.“ Weder der Staat noch die Bundesländer alleine seien in der Lage, die Biodiversität in Deutschland zu schützen.

Daher hat er zusammen mit der von ihm gegründeten BIODIVERSITY FOUNDATION die Kampagne #6 - Fighting Extinction ins Leben gerufen. Mit ihr will Steffens die Öffentlichkeit über das sechste große Artensterben in der Geschichte der Erde aufklären.
 

Auch sowas gibt´s: Pollen in Pink! Das alles sind Ausdrucksformen der biologischen Vielfalt.

Die Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes) – wie nahezu alle unsere heimischen Wildbienenarten stark gefährdet – sammelt Pollen vom Berg-Sandglöckchen (Jasione montana).

Olympus E-M1; Sigma 2.8/105mm Macro; Blende 8.0; 1/250s; ISO 100; Blitz
 

Ein weiteres Ziel: Im Paragraphen 91a den Artenschutz verankern und so mehr „Handlungsdruck“ auf die Politiker zu schaffen. Steffens gibt sich optimistisch: „Ich hoffe, dass wir wirklich alle Parteien für diese Idee begeistern können, denn diese Grundgesetzänderung ist politisch völlig neutral: Wir sagen, dass sich etwas ändern muss, und schaffen einen gesetzlichen Rahmen dafür. Wie diese Änderung dann konkret ausgestaltet wird, bleibt dem demokratischen Streit von Parteien und anderen gesellschaftlichen Kräften überlassen.“
 

Limikolenschwarm mit Alpen-Strandläufern vor Windrädern mit Regenbogen.

Olympus E-M1; Olympus Zuiko 2.8/300mm + 1.4-fach Konverter; Blende 8.0; 1/2000s; ISO 500
 

Uferschnepfe im Abendlicht – auch sie gehört zu den Limikolen. Die meisten Arten dieser Vogelgruppe sind gefährdet bis stark bedroht.

Olympus E-M1; Olympus 2.8/300mm + 2-fach Konverter; Blende 8.0; 1/400s; ISO 400

Wenn mehr als 50.000 Unterschriften zusammen kommen, kann die Petition „Artenschutz ins Grundgesetz“ über den Petitionsausschuss in den Deutschen Bundestag eingebracht werden.


Text:     Mainecoon

Fotos:   Roland Günter

 

Roland Günter ist Betreiber von Makrotreff und Herausgeber von MAKROFOTO. Der Dipl. Forst-Ingenieur betreibt die Makrofotografie hauptberuflich und verwaltet ein umfangreiches biologisch-wissenschaftliches Bildarchiv.

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt. Zu diesem Themenkomplex werden seit vielen Jahren seine Fotos und Reportagen im In- und Ausland in vielen gängigen Zeitschriften und Buchproduktionen publiziert.

Kommentare

Profile picture for user Frank_HH
Makronist

Hallo Mainecoon und Roland,

leider erachte ich solche Lösungsansätze „Artenschutz ins Grundgesetz“ als absolut sinnlos. Das ist genauso sinnlos wie die "Roten Listen", die sich Unwissende ausdenken und erstellen.

Solche Ideen entwickeln ausschliesslich Leute, die von den Vorgängen in der Natur keine Ahnung haben, oder wie in dem von euch angesprochenen Fall von  TV-Moderator Dirk Steffens, sich anderweitig profilieren wollen.

Man kann den Artenschutz ins Grundgesetz schreiben, an Häuserwände malen oder sich auf die Stirn tätowieren - ändern wird sich dadurch gar nichts. Aber Leute, die denken, das dies der richtige Weg ist, beruhigen damit nur ihr Gewissen.

Die richtige Lösung ist, die Biotope und Habitate zu schützen. Man kann Millionen von Arten schützen - aber ohne passendes Biotop können sie nun mal nicht existieren. Selbst dieser Weg kommt mindestens 30 Jahre zu spät, da wir Menschen dabei sind, alle wertvollen Flächen unwiderbringlich zu zerstören. Am aggressivsten ist dabei die Land- und Forstwirtschaft, die über Jahrzehnte der Natur riesige Flächen entrissen hat. Wenn wir nicht endlich damit anfangen, der Natur im grossen Umfang die Flächen wiederzugeben und zusammenzuführen, wird der Artenschwund noch drastischer voranschreiten.

Man muss einfach mal die Dinge hinterfragen und den Politikern, Medien und Lobbyisten nicht immer alles glauben.

LG Frank

 

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Frank,

ich kann Deine Ausführungen bezüglich der Notwendigkeit des Handelns sehr gut nachvollziehen. Selbstverständlich reichen Bekundungen jeglicher Art nicht aus, um zu Änderungen zu kommen.
Allerdings reicht der von Dir angesprochene alleinige Schutz von Biotopen und Habitaten auch nicht aus. Selbst dort, wo dies in den vergangenen Jahren vollzogen wurde, gehen viele Pflanzen- und Tierarten nachweislich zurück. Dieser Lebensraumschutz kann also nur EINE unter vielen anderen Änderungen sein, die dringend nötig sind.

Ein weiterer Aspekt stellt hierbei die Bewusstseinsbildung dar. Ohne ein verändertes Naturbewusstsein, ohne eine veränderte Wahrnehmung vieler Menschen der sie umgebenden Natur reichen noch so gut gemeinte Einzelmaßnahmen anscheinend nicht aus, eine wirksame Änderung herbeizuführen. Dies zeigt zumindest die Vergangenheit.

Und unter anderem genau in diese Richtung gehen Aktionen wie diejenige von Dirk Steffens. Ihm mit dieser Aktion reinen Profilierungswillen zu unterstellen, ist sehr negativ, eigentlich sogar sehr destruktiv.
Dirk Steffens ist Biologe, und er bewegt sich mit seinem Handeln inmitten seines Kompetenzbereichs. Anders formuliert, er macht nur seinen Job – und dabei übernimmt er Verantwortung. Inwieweit es insgesamt für solche Aktionen zu spät ist – diese Einschätzung bleibt selbstverständlich jedem überlassen. Nur, wenn Du Dirk Steffens reinen Profilierungswillen unterstellst, müsstest Du dies konsequenterweise uns hier bei Makrotreff, insbesondere Valentin und mir, auch unterstellen. Alles andere wäre unlogisch.
Sicher ist es richtig, Aussagen von vielen "Politikern, Medien und Lobbyisten" kritisch zu hinterfragen. Alle Menschen, die sich mit diesen Themen beschäftigen oder sich dazu äußern, in einen Topf zu schmeißen, ist allerdings nicht richtig. Mit der von Dir geforderten kritischen Hinterfragung sollte eine genaue Differenzierung zwingend verbunden sein. Ansonsten führt die eine Polemik unweigerlich in die nächste.

Auch Deine Aussage, "solche Ideen entwickeln ausschließlich Leute, die von den Vorgängen in der Natur keine Ahnung haben...", ist schon eine Hammer-Aussage! Hast Du hierzu näheres Wissen? Kannst Du diese Deine Aussage belegen?
Ich habe das Wissen und kann dies auch belegen, dass ich sehr viele Menschen persönlich kenne, die ebenso solche Ideen entwickeln und gleichzeitig eine Menge Ahnung von den Vorgängen in der Natur haben. Kannst Du dem etwas Fundiertes entgegensetzen? Wenn ja, freue ich mich auf Deine Ausführungen. Wenn nein, ist dies eine weitere Aussage von Dir, die beleidigend, polemisch und destruktiv ist. In diesem Fall möchte ich Dich höflich bitten, zukünftig hier bei Makrotreff solche Aussagen zu unterlassen.

Lieber Gruß,

Roland

Profile picture for user Ralph Budke

Hallo Frank,

du hast mich nicht direkt angesprochen, ich möchte mich trotzdem dazu äussern, da ich einige Jahre im Naturschutzbereich Erfahrung sammeln durfte.

Im einigem was Du ansprichst gebe ich Dir recht. - Allerdings sehe ich immer noch ein ganz grosses Problem bei der Politik und in unserem Bildungswesen. Wir leben Heute in einer Zeit, in der "Kurze Antworten" Hochkonjuktur haben. Aktuell die Idee, dass man eventuell AKWs als grüne CO2 freie Energieerzeugung dazurechnen kann. Was wenn im nächsten heissen Sommer das Kühlwasser im Fluss fehlt?  Die Welt ist nicht so einfach gestrickt,wie sie häufig dargestellt wird. Schon gar nicht mit unserer Globalisierung mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Daher sehe ich es als dringend an, dass an unseren Bildungsanstalten ein Umdenken passieren muss. Das vernetzte System Denken sollte wieder Schule machen!

Ich weiss jetzt nicht wie in D Erfolge im Naturschutz ausgewiesen werden. Bei uns in der CH wird das von der Politik via Gelder die (Jährlich) gesprochen werden ausgewiesen, was eigentlich ein Unsinn ist. Offenbar interessiert sich kein Politiker ob das eingesetzte Geld wirklich von Erfolg gekrönt ist.

L.G. Thomi

 

Profile picture for user Sigi Weyrauch

Hallo Diskussionsteilnehmer und Leser derselben, hallo Roland, Mainecoon, Gabi und Frank,

ich verfolge nun schon seit geraumer Zeit die Aussagen zur Biodiversität, und gehöre zu denen, die zu Anfangs keine Ahnung hatte von der Bedeutung und vor allem Tragweite was die Biodiversität ausmacht. So verlasse ich mich eben auf den gesunden Menschenverstand, und das ist allemal die beste Wahl.

Dieser Beitrag hier zum Thema Biodiversität ins Grundgesetz hat auch meiner Überzeugung nach absolut seine Berechtigung, wenn Biologen und andere fach- und sachkundige Vertreter sich für die Notwendigkeit dieser umfassenden Thematik stark machen und einsetzen, dann tun sie dies aus innerster Überzeugung und aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung auf diesem Gebiet.

Bei der nun hier zuletzt aufgeflackerten Diskussion von dir Frank fällt auch mir auf, dass es wenig Sinn macht, die wohl fundierte Arbeit von Dirk Steffens oder anderen etwa anzuzweifeln, denn all diejenigen Personenkreise sind die allerletzten denen es um Profilierung u.A. geht, sondern denen gehört mein größter Respekt für ihren Tatendrang und Mut, sich für die Sache der Biodiversität einzusetzen. Wem oder was wollen wir denn sonst noch vertrauen oder Glauben schenken?

Viele Grüße Sigi 

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Sigi,

ja, der gesunde Menschenverstand ist das mit wertvollste, auf das wir zurückgreifen können – falls man ihn oder zumindest Teile davon noch hat... :-). Da gebe ich Dir völlig Recht.

Keiner weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Wird sie grausam werden? Wird sie zum Total-Kollaps unserer Lebensräume führen und die meisten Pflanzen- und Tierarten, unter ihnen den Menschen, ausrotten?
Wird der Mensch mit den zögerlichen Maßnahmen, die zur Zeit in vielen Teilen der Welt stattfinden, letztendlich doch eine gewisse positive Wirkung erreichen und eine Erhaltung der Belebungsfähigkeit zumindest einzelner Bereiche auf der Weltkugel sichern?

Wie gesagt, wir wissen es nicht. Was wir wissen ist, dass es enorme Veränderungen geben wird, die die Belebbarkeit des Planeten in der Form, wie wir sie kennen, sehr stark verändern und teilweise unmöglich machen wird.

Interessant ist, dass so gut wie alle Gegenmaßnahmen zu der Entwicklung globaler Zerstörung aufgrund von Druck entstanden sind bzw. entstehen. Keine Beschlüsse, keine Änderungen zum Schutz von Lebensräumen und ihren Bewohnern, von Wasser, Luft usw. sind "von alleine" gekommen. Leider hat auch der gesunde Menschenverstand nicht ausgereicht, auch nur die kleinste Gegenentwicklung in Gang zu setzen. Gier, Macht und ganz tief an der Wurzel die Angst sind anscheinend stärker als gesunder Menschenverstand – mit der Folge, dass die Basis für alle verstandesorientierten globalen Handlungen seitens Politik und Wirtschaft der Druck ist.

Dies verdeutlicht den Stellenwert von Protest, Boykott, Demonstration, zivilem Ungehorsam und ähnlichen Aktivitäten.

Wie gesagt: Ob´s reichen wird, weiß niemand.

Lieber Gruß,

Roland

Profile picture for user Sigi Weyrauch

Hallo Roland,

zu deinen Ausführungen kann ich nur einen ganz dicken Strich druntersetzen, da sie sich eins zu eins mit meiner Meinung decken. Das Fatale im gesamten Bereich zum Thema Naturschutz usw. ist eben, dass an den Hebeln, wo was zu ändern wäre, wohl mehrheitlich solche Personen sitzen, die es aus den schon von dir erwähnten Gründen nur mit Zwang zulassen, überhaupt mal was zu bewegen. Und das reicht bei weitem nicht aus, um den sich anbahnenden Vorgängen etwas dagegenzuhalten.

Alle Biologen und Wissenschaftler auf dem Gebiet sind sich größtenteils einig, was die Stunde geschlagen hat, nur die sitzen an den Stellen, wo sie ihren Job machen, bevor die Biologen und Wissenschaftler alle ins Boot geholt werden, wo sie eigentlich auch mit dazu gehören, werden sich diejenigen, wo am Ruder sitzen, sich solange dran festklammern, bis dann zu sehen ist, dass das Boot schon so vollgelaufen ist und kurz vor dem absaufen ist.

Es ist sehr mühsam und kraftraubend für alle Bewegungen, die dagegenhalten und standhaft bleiben. Im Grunde lohnt es sich dennoch nichts unversucht zu lassen. Immer dann wenn in unserer nächsten Nähe etwas zur Sprache kommt, was dieses Reizthema betrifft, fangen die Alarmglocken an zu läuten und das lässt hoffen, dass sie gehört werden.

Ich kann nur abschließend sagen, es ist gut dazu eine Meinung zu haben, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken.

Lieber Gruß Sigi

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