Fleckige Brutwanze (Elasmucha grisea) – Wanze mit Brutpflege

Initiiert durch eine Bildeinstellung der Userin Conny, stelle ich hier zwei Bilder der Fleckigen Brutwanze (Elasmucha grisea) ein. Sie lebt auf Birkenblättern und bewacht nach der Eiablage ihre Eier, indem sie sich schützend über sie stellt. Mehr oder weniger regungslos verbringt sie zwei bis drei Wochen in dieser Stellung, bis die jungen Nymphen schlüpfen. In dieser Zeit nimmt das Weibchen keine Nahrung zu sich.

Die geschlüpften Jungwanzen bleiben auf dem Gelege, bis sie sich das erste Mal häuten. Auch während dieser Zeit steht das Weibchen weiterhin schützend über ihnen. Erst nach der ersten Häutung, also ab der zweiten Nymphenphase, entfernen sich die Nymphen und wandern auf der Birke umher, um an Birkenzäpfchen zu saugen. Auch in dieser Phase werden sie weiterhin vom Weibchen bewacht und auch verteidigt.

Bild eins zeigt die Nymphen unmittelbar nach dem Schlupf unter dem Körper des Weibchens. Bei Bild zwei sind die Nymphen etwa 6 Stunden alt. Sie werden allmählich mobiler und laufen bereits neugierig auf dem Eigelege sowie der Nase der Mutter umher :-).

Biologen nennen dieses Verhalten der Mutterwanze Brutpflege. Die Fleckige Brutwanze nimmt damit neben einigen wenigen weiteren Wanzenarten eine Sonderstellung innerhalb der etwa 1000 in Deutschland vorkommenden Wanzenarten ein.

Es lohnt sich, ab Anfang bis Mitte Juni die Blätter insbesondere freistehender Birken genauer abzusuchen. Die Chance, die Fleckige Brutwanze zu entdecken, ist relativ groß, da sie recht häufig vorkommt. Allerdings wird sie sehr gerne übersehen.

Hat man einmal eine entdeckt – womöglich ein Weibchen bei der Bewachung ihres Eigeleges – gibt´s nur noch eines: (makro)fotografieren, bis der Arzt kommt... :-).

Kommentare

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MOD

Guten Morgen , Roland!

Was für tolle Bilder am frühen Mogen!  Besonders das Bild mit der "Nasenbegehung" ist der Knaller! :-) Danke  für`s Einstellen und der Geschichte hierzu.Total interessant. Hab gelesen, dass manche Arten Pheromone absondern, welche die  Nymphen -Rasselbande so lange zusammen halten, bis die richtige Zeit für die eigene Wanderschaft gekommen ist.Dies habe ich bei der Feuerwanze gefunden. Mich ärgert es deshalb sehr, wenn beim Suchen zur Artenbestimmung im Internet immer zuerst ein Vorschlag kommt mit " Wanzen bekämpfen"  etc. :-(. Grisea bedeutet nur grau? Dies ist mir schon als Bezeichnung bei Ambra grisea begegnet.

Liebe Grüße

Gabi

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ADMIN

Hallo Gabi,

Wanzen sind eine hoch interessante Tiergruppe. Sie schillern nicht nur in den tollsten Farben, sondern zeigen auch super interessante Verhaltensweisen.

Das, was Du bezüglich der Absonderung von Pheromonen schreibst, ist korrekt.

Sobald das Weibchen der Fleckigen Brutwanze zusammen mit seinen Jungtieren das Gelege verlässt, legt es eine Duftspur, auf der die halbstarken Rocker wie an einer Perlenschnur aufgereiht folgen. Geht mal einer der Pubertierenden verloren, weil er zu lange rechts oder links der Spur rumschnüffelt, findet er ganz leicht wieder zurück zum Muttertier – er braucht nur dieser Duftspur zu folgen.

All das führt dazu, dass man Wanzen einfach lieben MUSS !  :-)

Lieber Gruß,

Roland

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Makronist

Hallo Roland,

faszinierend, was sich doch in der Welt des "Kleinen" abspielt. Mich faszinieren diese kleinen Krabbler ungemein, wobei man natürlich nicht überall Beifall erwarten kann, wenn man solche Fotos zeigt.

Du zeigts eine ganz tolle Doku von der Brutpflege-Klasse. Ich finde die Farbpracht der Wanzen echt der Hammer. Geht man mal an eine ganz gewöhnliche Feuerwanze nah dran, das ist schon interessant was man da an Details geboten bekommt. Dem "Normalo"  bleibt das verborgen-oder er schaut sich unsere Makros an ;-).

VG und immer tolle Makros

Thomas

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ADMIN

Hallo Thomas,

Du beschreibst schön die wunderbare Wirkung von Makrofotos – oder anders ausgedrückt die Schönheit, die im Detail verborgen liegt. Ob allseits beliebte Bienen und Schmetterlinge oder bei vielen Menschen eher negativ besetzte Wanzen und Spinnen; sie alle geben Anlass zum Staunen, wenn man ihnen die Chance gibt, "gesehen" zu werden – zum Beispiel mittels guter Makrofotos :-).

Lieber Gruß,

Roland

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