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ADMIN

Hallo Sigi,

sicherlich hat sich in vielen Lebensraumtypen eine ganze Menge verändert. Den Wandel bei den zahlreichen Kleingärten schilderst Du sehr treffend am Beispiel der Kleinsiedlerstelle in Stuttgart. Hier besteht sicherlich zum einen Aufklärungs-, und zum anderen Handlungsbedarf.

Allerdings habe ich mehr Verständnis dafür, das ein Aufklärungsbedarf bei Gartenbesitzern besteht, die beruflich vielleicht ihr Leben lang im benachbarten Porschebetrieb arbeiten, als bei Landwirten. Letztere haben ihren Umgang mit der Natur zu ihrem Beruf gemacht. Und da sollte und kann man auch einen höheren Wissensstand über zumindest die Grundlagen der Ökologie in Lebensräumen erwarten.

Wir sollten nicht immer die Landwirtschaft pauschal unter Schutz stellen. Bauern sind nicht per se eine schutzbedürftige Menschengruppe. Wir haben es hier mit einer Berufsgruppe zu tun, die sich trotz aller Mahnungen und Warnungen über Jahrzehnte hinter angeblichen EU-Regeln und Bauernvertretungen versteckt, sich von diesen regelrecht entmündigt hat. Dennoch sind es denkende Menschen, auch heute, nach jahrzehntelanger Entmündigung.

Und vor allem sollten die übrigen Menschen, die "Nicht-Bauern", nicht vergessen oder übersehen, dass die Bauern mit ihrem Handeln über das Wohl von Pflanzen und Tieren auf riesigen Flächen entscheiden. SIE gestalten das, was wir heute Landwirtschaft nennen, das, worauf unsere Nahrungsmittel wachsen. Und das, auf dem Tiere und Pflanzen leben, die ihnen nicht gehören! Insekten, Feldhamster, Rebhühner, Feldlerchen, Hasen und Co. gehören den Bauern nicht, sie gehören niemandem. Dennoch sprechen die Landwirte so gut wie immer von "ihren" Feldern und Wiesen. Ja was gehört ihnen denn nun wirklich? Die reine Fläche? Alle Lebensformen auf diesen? Oder das große Recht, über das Sein und Nichtsein dort zu bestimmen?

Fest steht: Seit Jahrzehnten hat die Landwirtschaft – und mit ihnen die Bauern – eine gigantische Zerstörungs- und Vergiftungs-Maschinerie aufgebaut, die auf etwa einem Drittel unserer gesamten Fläche alles tötet bis auf eine Handvoll Kulturpflanzenarten. Auch wir Menschen werden bereits zu tausenden getötet (*siehe Quellen unten). Und hier spreche ich nur von den isolierten Folgen der extrem hohen Düngungen, die jedoch kaum jemandem bekannt sind. Die gesamte Problematik der tonnenweisen Pestizideinsätze lasse ich hier mal außen vor. 

Das klingt hart, weiß ich, aber es stimmt. Wir brauchen nicht kopfschüttelnd nach China oder sonst wo hin schauen, um zu sehen, dass dort Menschen an solchen Dingen sterben. Das große Sterben sowohl der Tiere als auch der Menschen hat auch bereits in Deutschland eingesetzt (siehe Quellen). Es ist bereits Gegenwart, wir müssen nicht mehr auf die Zukunft warten.

Deshalb bitte nicht immer die armen Bauern in Schutz nehmen. Wenn das auch das letzte ist, was bleibt: Sie sollen sich wenigstens für diesen Wahnsinn nicht auch noch als Opfer fühlen (dürfen)! Wo bleibt die Selbstverantwortung?

Lieber Gruß,

Roland

* Quellen:

Albert Schweitzer Stiftung: Landwirtschaft / Tote durch verschmutzte Luft

Max-Planck-Gesellschaft: Weniger Dünger reduziert die Feinstaubbelastung

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