Veronica

Hallo Makrofreunde!

Vor ein paar Tagen habe ich mir das Pentacon AV 2.8/80mm gekauft. Meine erste Erkenntnis nach einem ausgiebigen Shooting ;-) mit Veronica in unserem Garten : Üben, üben und nochmals üben! 

Dieses Projektionsobjektiv, das in einem Tubus (nennt man das so?) für meine Canon sitzt, ist ein simples Ding mit großer Wirkung. Jedenfalls malt es sehr schön, wenn man denn den richtigen Winkel zum Licht erwischt.

Lieben Gruß von Nate

Kommentare

Profile picture for user Sigi Weyrauch

Ja Nate,

dabei denk ich immer, wenn wir noch mit Rollfilm fotografieren würden, da wären wir ja am Ende bettelarm vom Filme kaufen und entwickeln. So machst du halt etliche Fotos und der größte Teil landet im elektronischen Papierkorb, das ist doch ein Segen für alle Fotofreunde.

Gruß Sigi

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ADMIN

Projektionsobjektiv und Schärfeebene

Hallo Nate,

mit dem Pentacon AV 2.8/80mm bewegst Du Dich in einer eigenen Welt innerhalb der Fotografie mit Vintage-Objektiven. Das Handling von Projektionsobjektiven an Fotokameras ist etwas gewöhnungsbedürftig – klappt dann aber ganz gut :-).

Ja, man nennt das Ding "Tubus", in dem man es vor und zurück schiebt. Man stellt da zuerst einmal so in etwa den gewünschten Abbildungsmaßstab ein (so weit wird das Objektiv im Tubus vor- oder zurückgeschoben), und in die genaue Punktschärfe geht man dann mit der ganzen Kamera.

Stichwort "genaue Punktschärfe": Da bist Du mit der Blende 2.8 Deines Pentacon noch ziemlich gut bedient. Projektionsobjektive können deutlich lichtstärker sein – worin auch ein besonderer Reiz bei dieser Objektivgruppe liegt. Dann wird es noch mehr Übungssache, den Schärfepunkt exakt zu platzieren.

ABER: Mit diesen Dingern lässt sich oberkrass malen, das hast Du bemerkt. Das Bokeh Deiner Ehrenpreis-Aufnahme ist richtig lecker :-).

Zur Schärfeebene oben in Deinem Foto:

Du hast den Schärfepunkt auf die offene Blüte der unteren Blütenähre gelegt. Und damit ist dies auch der einzige Schärfepunkt im Bild. Die Schärfeebene erreicht keine weitern gut sichtbaren Pflanzenteile.

Mit einer minimal anderen Perspektiven-Ausrichtung hättest Du die beiden oberen offenen Blüten der oberen Ähre mit abgedeckt. Dazu hätte die Kamera geringfügig gesenkt werden müssen. Klar, dann wäre der Hintergrund nicht mehr dort gewesen, wo er jetzt liegt und toll wirkt – und er übernimmt nun mal eine sehr wichtige Rolle im Bild.

Trotzdem ist das Verhältnis von Schärfezone und dargebotenem Hauptmotiv nicht ganz stimmig; Du bietest beide Ehrenpreis-Ähren voll als Hauptmotiv an, dennoch liegt nur auf der unteren Ähre eine Blüte in der Schärfeebene, gibt es also nur auf der untere Ähre einen Schärfepunkt, an dem sich das Betrachterauge orientieren kann. In der oberen Ähre ist kein Schärfepunkt vorhanden.

Zwei Lösungsmöglichkeiten

Hier gibt es nur zwei Wege: entweder auch Blüten der oberen Ähre in die Schärfeebene legen (wie oben beschrieben), oder die gesamte obere Ähre mit ins Bokeh rutschen lassen. Letzteres würde bedeuten, sie weiter aus der Schärfezone nach hinten zu schieben und damit noch unschärfer werden zu lassen, also sie zu "malen".

Oben im Bild hast Du das Mittelding gewählt: Blütenähre als Hauptmotiv bestimmt, ihr aber keinen Schärfepunkt verliehen. Das verwirrt den Betrachterblick.

Und damit sind wir bei einer der großen Hürden in der Vintage-Makrofotografie: Haupt- und Nebenmotiv müssen exakt aufeinander abgestimmt werden – mehr noch als bei der klassischen Makrofotografie. Man muss also das Motiv vor dem Erstellen der Aufnahme unter Berücksichtigung dieser Aspekte regelrecht studieren.

Im Fall der Aufnahme oben heißt das:
Sollte sich die obere Ähre nicht so positionieren lassen, dass auch mindestens eine offene Blüte von ihr mit in die Schärfeebene rutscht (entweder durch Veränderung der Aufnahmeperspektive oder durch Veränderung der Blütenähre durch leichtes Verbiegen), OHNE dass dabei das Bokeh futsch ist, funktioniert dieses Motiv so nicht. Dann muss man sich eine andere Stelle, sprich eine andere Blüte suchen, bei der die Anforderungen zusammenpassen.

Ein Text mit Schieflage – die Einseitigkeit meiner Ausführungen

Bitte verstehe das jetzt nicht falsch. Das, was ich hier schreibe, soll nicht heißen, dass die Aufnahme oben schlecht ist. Es ist EIN Punkt, der nicht passt (Schärfe in der oberen Ähre), und ich habe hier mal sehr differenziert beschrieben, wie dies wirkt und wie es gelöst werden kann; dadurch wirkt meine Besprechung sehr einseitig und die Kritik übergewichtig. Damit werde ich aber Deinem Foto im Ganzen nicht gerecht Unabhängig von diesem einen kleinen fehlenden Schärfepunkt ist Dir eine tolle Aufnahme mit einem klasse Bokeh gelungen – erstellt mit einem wahrlich nicht ganz so einfachen Objektiv :-)!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Profile picture for user Nate Schörken
Makronist

Hallo Roland,

ich danke Dir sehr für Deine ausführliche Beurteilung. Und ich gebe zu, dass ich soweit gar nicht gedacht habe. Ich habe mich bemüht, in dem Blütengewusel etwas Passendes zu finden, harmonisch anzuordnen  und es irgendwie in die Schärfe zu bekommen. Das war's. Dachte ich jedenfalls. Jetzt habe ich ein Stück weit dazu gelernt. Danke dafür.

Lieben Gruß

Nate

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