Blüteninneres

Das Innere einer Kaktusblüte.

Als RAW-Datei aufgenommen mit Vorsatzlinse Raynox M-250, mit Adobe-RAW-Converter entwickelt, mit CS6 bearbeitet und beschnitten, keine Ausschnittvergrößerung.

Kommentare

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Hallo Gerhard,

gar nicht so einfach, in das Innere einer Kaktusblüte vorzudringen ...

Ja, der Blick geht ins Innere - und dann? Das ist alles etwas wirr da drinnen in der Blüte. Das Betrachterauge weiß gar nicht so recht, wo es hinschauen soll, was der Makronist ihm primär zeigen will. Geht es vor allem um die Narbe (ich vermute mal, das gelbe, fransige ist die Narbe - ich kenne diese Kaktusart nicht)? Überall dazwischen sind die Staubblätter. So wirr die linke Seite und die Mitte des Bildes sind, so "leer" ist das rechte (knappe) Drittel. Dort ist wohl der Innenrand der grünen Blütenblätter abgebildet?

Du siehst, ich wate rum. Riesen-Spekulatius :-). Das Problem liegt nicht darin, dass ich die Blüte dieser Kaktusart nicht kenne und damit nicht mit 100%iger Sicherheit die abgebildeten Teile (er)kenne. Etwas schwierig ist vielmehr, dass ich bei diesem Ausschnitt etwas spekulieren muss, was Du mir als Betrachter tatsächlich primär sagen (zeigen) willst. Eine deutlichere Fokussierung auf dieses würde das Bild beruhigen. Aber wahrscheinlich war genau das sehr schlecht möglich in der Enge des Blüteninneren, oder?

Noch etwas anderes wirft Fragen auf: Was ist das, was da so weiß/silbern überall reflektiert? Ist das "Hausmüll in der Kaktusblüte", der das Licht (wie hast Du beleuchtet?) reflektiert? Oder ist das etwas Kaktus-Spezifisches, was hier besonders zur Geltung kommt?

Ansonsten natürlich, was die Kameraeinstellungen anbetrifft, alles korrekt. Blende 13.0 wird tatsächlich aufgrund der notwendigen Tiefenschärfe benötigt.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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Hallo Roland,

dein Kommentar regt wieder zum Nachdenken an, danke.

1. Unsere Kakteen, von meiner Frau gepflegt,  sind "uralt", und die Namensschildchen sind nicht mehr da.

2. Aufgenommen auf der Fensterbank bei Sonnenlicht von hinten sehr hoch.

3. Der "Hausmüll" sind kleine Flüssigkeitstropfen auf der Narbe (Honig?)

4. Eigentlich wollte ich dem Betrachter nichts sagen, allenfalls zeigen, sonst müsste ich mehr wissen, als der Betrachter. Ich freue mich über die Ergebnisse meiner Fotoexperimente und bin dankbar für Verbesserungstipps für Aufnahme und Nachbesserung, Bildaufteilung, Hintergrund usw.

5. Sollte ich die Schärfentiefe noch mehr reduzieren, um dem Betrachter auf die Details der Narbe hinzuweisen oder sogar mit Retroadapter noch näher ans Detail?  Dann ginge aber der Zusammenhang zur Blüte m.E. verloren. Ich denke an mein Wespenbild mit deiner Erklärung zum dritten Auge.

Viele Grüße Gerhard

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ADMIN

Hallo Gerhard,

Deine Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ich hatte schon bewusst vom "Wirrwarr" des Motivs gesprochen und von der "Enge des Blüteninneren". Ich sehe hier nicht die Lösung im Öffnen der Blende. Weniger Tiefenschärfe würde der gebogenen Form der Narbe nicht gerecht werden.

Mein Ansatz wäre vielleicht, von vornherein einen deutlich größeren Abbildungsmaßstab eines Details zu suchen und dadurch zu reduzieren. Ob dies die Enge im Inneren der Blüte zulässt, kann ich nicht beurteilen. Aber beispielsweise einen einzigen dieser Narben-"Seile" von der Seite ins Bild setzen, hätte sicherlich was. Er müsste dafür frei stehen - oder freigestellt werden. Und er müsste so korrekt quer zur optischen Achse ausgerichtet werden, dass er in seiner ganzen Länge scharf wäre. Und mehr an Schärfe würde ich dann vermeiden, damit das Umfeld nicht wieder zu stark strukturiert wird und dadurch ablenkt.
Die Flüssigkeitstropfen sind bei diesem Ansatz ein sehr wichtiges Element! Sie müssten klar rüberkommen und deutlich als solche erkennbar sein, nicht als weiße Flecken! Sie gehören unbedingt mit zu den interessanten Details, die dieses Motiv zu bieten hat.

Das ist eine Überlegung, es gibt sicherlich weitere Ansatzmöglichkeiten. Dafür müsste ich aber das Motiv, sprich den Kaktus, sehen.

Lieber Gruß,

Roland

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Roland, nun habe technische Verständnisprobleme. Größerer Abbildungsmaßstab bedeutet mehr Vergrößerung.

Mit meinem 60 mm Makroobjektiv mit Reynox-Vorsatzlinse bin ich bis an die Naheinstellgrenze gegangen, mehr ging nicht. Nun bleibt mir nur noch eine Ausschnittvergrößerung und die hat doch Konsquenzen hinsichtlich der Schärfe.

Oder wäre Retro-Technik noch eine Alternative, aber bei 60 mm bringt dass lt. Literatur nicht viel, die Vergrößerung soll mit abnehmender Brennweite steigen.

Gerhard

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Hallo Gerhard,

scheinbar ist dieses Blüteninnere der Kaktusblüte kleiner als ich dachte. Das wäre dann mehr ein Fall für Spezialoptiken wie beispielsweise Lupenobjektive. Die sind im Handel aber sehr rar.

Du hast Recht: Retrostellung mit einem 60er bringt nicht viel, das ist mehr was für Weitwinkelobjektive. Allerdings hast Du dann einen super geringen Abstand zwischen Motiv und Linse.

Eine Möglichkeit ohne viel weiteren Aufwand wäre der Einsatz eines Zwischenringes, den Du als Auszugsverlängerung vor das 60ger mit Reynox-Vorsatzlinse hängst. Damit erreicht man schnell einen verdoppelten Abbildungsmaßstab gegenüber dem "normalen" des Objektivs. Allerdings solltest Du dabei unbedingt beachten, als Oberkante die Blende mindestens eine Stufe weniger weit zu schließen als bisher, da ansonsten die Beugung böse beugt. Hiermit rutscht also die noch einigermaßen taugliche Blende mindestens eine Stufe vor.
Dies ist alleine auch vor dem Hintergrund sinnvoll, dass das 60ger in Verbindung mit dem zusätzlichen Auszug nicht mehr in seinem optisch optimierten Bereich arbeitet. Mit dieser einen Blende weniger weit schließen müsste es aber klappen.

Übrigens: Eine Ausschnittvergrößerung hat nicht die Konsequenz von weniger Schärfe, sondern von weniger Auflösung des (Rest-)Gesamtbildes.

Lieber Gruß,

Roland

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Hallo Roland,

ich sehe ein, dass der Begriff Unschärfe in diesem Zusammenhang nicht richtig ist, weil hier für eine spezielle Definition gilt. Ich meine folgenden Effekt.

Für die Vergrößerung eines Bildes habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder halte ich die Dateigröße konstant, oder die Auflösung. Im letzteren Falle müssen durch Interpolation neue (unechte Bildinformationen) durch mathematische Verfahren gebildet werden. Die Bildbearbeitungsprogramme bieten beide Möglichkeiten an.

Ich kann mir vorstellen, dass ab einem gewissen Verhältnis echter zu unechter Pixel, die Bildqualität leidet (theoretisch sicher, optisch ?), aber wie macht sich das bemerkbar? Das meinte ich mit geringerer Schärfe, wird es flauer, verwaschener, unklarer o.ä?

Der Einfluss ist sicher auch abhängig von der Blattgröße, die man beim Ausdruck vorgibt, beim Monitor ist sie ja vorgegeben.

Hat der Fachmann Erfahrungswerte, ab welcher Vergrößerung man das eine oder das andere Verfahren anwenden sollte?

Unabhängig davon liegt doch hier irgendwo die Bewertungsgrenze zwischen einem echten Makrofoto und einer Ausschnittvergrößerung, oder ist das zu kleinkariert gedacht :-)

Viele Grüße von Gerhard

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Hallo Gerhard,

wir wollen das Ganze hier nicht verkomplizieren, sondern nur das ansprechen und erläutern, was für die Praxis relevant ist:

Ein Foto hat entsprechend der gegebenen Megapixel eine vorgegebene Maximalgröße, beim hochwertigen Druck (also mit 300 dpi) wären das - mal angenommen - 40 x 30 cm.
Wird nun ein Ausschnitt dieses Fotos erstellt, reduziert sich die Maximalgröße entsprechend der "weggeschnittenen Bildmasse". Das wäre beispielsweise bei 10 % Beschnitt entsprechend 10 % geringer Maximalgröße bei gleichbleibenden 300 dpi - also gleichbleibender Qualität.

Beschnitt macht also ein Bild erst einmal nur kleiner!

Hier geht es noch gar nicht um Interpolation! Ein Foto wird erst interpoliert, wenn es nach dem Beschnitt wieder auf die "alte" Maximalgröße (oder noch größer) hochgerechnet wird. Dann rechnet das jeweilige Programm Pixel dazu - logo, woher sollen sie sonst kommen?! Das sind - wie Du sie nennst - die unechten Bildinformationen.

Klar, Interpolation "nagt" an der Qualität eines Bildes. Wie stark und mit welcher Charakteristik, das ist sehr verschieden. Entscheidende Faktoren hierfür sind unter anderem:

  • Qualität des Ausgangsbildes (insbesondere die Optik!)
  • Beschaffenheit (Charakteristik) des Fotos (Strukturen, Kontraste usw.)
  • Die angewandte Technik der Interpolation
  • Die (Gesamt-)Stärke der Interpolation

Hier kommen also viele Aspekte zusammen, allgemeingültige Aussagen sich damit nicht möglich. Aber Du hast Recht: Häufig zeigt sich zu starke oder schlechte Interpolation durch flaue Schleier, reduzierte Brillanz, unsaubere Kontrastkanten usw.

Aber nochmal: Erst einmal hat das alles nichts mit dem Beschnitt an sich zu tun. Wird ein Foto beschnitten und anschließend nicht in seiner vollen Größe verwendet, muss nicht interpoliert werden. Hier spielt also eine ganz wichtige Rolle der Verwendungszweck.

Und gerade die Monitor-Präsentation mit ihren immer noch in der Regel 72 dpi Auflösung kann hier eine Menge Beschnitt zulassen. Solange das Bild in der 100 % - Ansicht die Präsentationsgröße (z.B. Monitor) voll ausfüllt, sieht man auch keinen Qualitätsverlust. Der Monitor zeigt ohnehin nicht mehr als die 72 dpi, auch wenn dahinter noch eine Menge weitere Bilddichte vorhanden ist.
Erst, wenn die Präsentationsgröße nicht mehr ausreicht, muss das Bild "aufgeblasen", sprich interpoliert werden. Und nur dann sollte auch interpoliert werden, wenn überhaupt - alles andere macht keinen Sinn!

Das gleiche trifft natürlich auch auf den Druck zu - und hier kommt man dann wesentlich schneller an Grenzen, weil die notwendige Pixeldichte höher liegt. Bei sehr hochwertigen Drucken liegt sie bei 300 dpi, bei "Normdrucken" bei 250 dpi, bei den grobpixeligen Tageszeitungen meist bei 100-150 dpi. Will man also nach einem Beschnitt noch einen größeren Abzug erstellen, ist schnell Ende im Gelände.

Hierin liegt übrigens einer der größten Vorteile von relativ hohen Pixelzahlen seitens des Kamerasensors. Man kann dies dann auch aus der Perspektive des "Reserve-Potentials" sehen.

Viele Experten würden jetzt gerne ein ganzes Buch über den Themenkomplex Interpolation, Pixel, Bildgröße, Druckauflösung usw. schreiben. Solche Bücher gibt es ja auch zu Genüge. Man kann mit diesen Sachverhalten Tage, Wochen und Monate verbringen, ohne auch nur ein einziges Mal die Kamera in die Hand zu nehmen und ein Foto zu machen. Ich bin mehr ein Mensch der Praxis und belasse es deshalb mal für´s erste dabei. Wir wollen ja alle in diesem Sommer nochmal fotografieren gehen ... :-).

Nun zu Deiner letzten Frage: Ja, leider machen viele Menschen einen Riesenausschnitt aus ihrem Foto und präsentieren den dann ohne weitere Angaben im Internet - also für die Monitorbetrachtung. Hier kannst Du, wie oben beschrieben, einen kleinen "Bildfetzen" so präsentieren, als sei es ein riesiges Original. Und diese Experten nennen das dann Makrofoto! Ich habe da schon formatfüllende Fliegenfotos vorgelegt bekommen, fotografiert aus komfortablen zwei Metern Entfernung mit irgend ´nem Weitwinkel, aber dafür auf fetten 36 MP und mehr, aus denen dann diese kleine Fliege herausgeschnitten und als "Makro" präsentiert wurde. Von solchen sogenannten Fotografen ist die Welt voll.

Jeder muss selbst überlegen, wie er das findet ... Ich möchte mich hier nicht mit irgendwelchen Definitionen abgeben. Sie wären ohnehin nur Wortbegrenzungen. Ich denke, hier spielt die Selbstverantwortung eines Jeden und der Anspruch an einen selbst eine große Rolle. Theoretische Definitionen sind da nicht sonderlich hilfreich, sondern liefern nur ein illusorisches Gerüst, das im Zeitalter der digitalen Fotografie ohnehin wieder Jeder irgendwie umgehen kann.

Übrigens: Das ist ein ganz übles Thema bei Verlagen. Wendet sich für einen geplanten Abdruck ein Verlag an einen Fotografen bezüglich eines im Netz präsentierten Fotos und bekommt dann dieses Foto mit einer Auflösung von beispielsweise 350kb zugeschickt, weil mehr nicht übrig ist vom Beschnitt, ist der Verlag super böse. Da bekommen Redakteure serienmäßig Tollwutanfälle. Und Interpolationen sind, fliegen sie auf, ohnehin der Tod! Dieser Fotograf kommt dann auf die Verlags-Black-List. Bei dem fragt keiner mehr nach, nicht in diesem und auch nicht im nächsten Leben - verständlicherweise.

Die Erfahrung zeigt:

Beim Druck trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Fotografen!

Hier kommt raus, ob echte Qualität vorliegt oder die gezeigten Fotos eben nur Restschnipsel übertriebener Beschnitte oder übelst durchgeführte Interpolationen sind. Du glaubst nicht, was ich da schon erlebt habe! Darüber könnte ich ein Buch schreiben :-).

Lieber Gruß,

Roland

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