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ADMIN

Lieber Sigi,

ich kann Deinen Gedanken gut folgen. Allerdings befürchte ich, dass die neu heranwachsende Generation nicht alleine nur durch ihr Dasein in der Lage ist, eine durchgreifende Änderung herbeizuführen. So, wie es sich im Moment darstellt, ist diese neu heranwachsende Generation aufgrund mangelnder Ausbildung vom Kindergarten an bis über sämtliche Schulsysteme und eventuell Studiengänge hinweg entweder fachlich nicht in der Lage, hier wirksame Zeichen zu setzen, oder schlichtweg nicht gewillt aufgrund andersartiger Interessen.

Und ein großes Problem sprichst Du oben auch schon an: Wenn doch einmal ein Interesse da ist, dann ist fast immer ausschließlich die Qualität der Lebensmittelerzeugung Gegenstand der Sorge und Aktivität, nicht aber der gravierende Einbruch bzw. die Zerstörung der Biodiversität.

Es geht also hier unmittelbar um den Menschen selbst, nicht um den Erhalt der Biodiversität. Dieser ist aber zwingend nötig, nicht zuletzt, weil an dessen Ende erst die gute Qualität der Lebensmittel steht. Das ist sehr, sehr vielen Menschen nicht wirklich bewusst. Ansonsten wäre der Drang zu Konsum und Fun nicht so groß.

Ich denke, es liegt an allen jetzt im Moment lebenden Menschen, sofort und bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu "voten", ein klares NEIN zu formulieren zu dem, was da passiert, ein NEIN mit allen seinen Folgen. Zu allem anderen haben wir keine Zeit mehr. Dies wird von so gut wie jedem souveränen Wissenschaftler bestätigt.

Und dabei sollten wir eine klare Sprache wählen: Die industrialisierte Landwirtschaft tötet aktuell in Deutschland tausende Menschen pro Jahr, Lebenserwartungen werden im Durchschnitt um viele Monate gesenkt. Dies ist seit Jahren wissenschaftlich bewiesen und damit bekannt (Quellen: Habe ich oben im Beitrag ergänzt, siehe also oben). Der Unterschied zu früher ist: Heute wirtschaften die sogenannten Bauern mit dem Wissen, was ihre Wirtschaftsform bewirkt. Sie machen es also bewusst.

Warum sogenannte Bauern?

Dieser Begriff entspricht einer Illusion, einem sehr erfolgreichen Webe-Gag der Lobbyarbeiter der Landwirtschaft. Es gibt kaum noch den Bauern, den sich der "normale" Bürger unter diesem Begriff vorstellt. Den "klassischen" Bauern gibt es nur noch in der Erinnerung (und das ist Illusion) und auf Milchtüten, zusammen mit glücklichen Kühen im Allgäu, mit schneebedeckten Alpen dahinter. Es gibt im Allgäu weder glückliche Kühe auf Wiesen, noch einen Bauern, der mit Handsense zwischen solchen umher hüpft. Das ist vielmehr ein erfolgreich hochgehaltenes Imagebild seitens der Landwirtschafts-Marketinger. Der Bauer auf der Milchtüte ist lange pleite. Das geben "die Bauern" in einem anderen Zusammenhang ja auch bereitwillig zu. Wie ist das Gejammere über das "Bauernsterben" anders zu verstehen?

Es gibt keine "Bauern" mehr, auch keine "Landwirte". Die "Bauern" von heute sind Unternehmer, und genau so stellen sie sich draußen auch auf. Tiere werden bis auf extrem wenige Ausnahmen nur noch zu tausenden in Ställen produziert ("Tierproduktion"), und draußen auf den "Produktionsflächen" werden fast nur noch wenige hochgezüchtete und/oder genveränderte Pflanzen in riesigen Monokulturen und/oder Energie produziert. Nun kommen also sehr verstärkt sogar reine "Energie-Unternehmer" dazu. Das hat nichts mehr mit der guten alten Heugabel zu tun. Der idyllische Bauernhof ist ein Verkaufs-Gag, den gibt´s fast nur noch im Bilderbuch und in den Köpfen der Verbraucher. Marketing-Strategen nennen die wenigen Bauernhöfe, die sie gerne als verkitschte Streichelzoos darstellen, "inszenierte Vorzeigebetriebe". 

Lieber Sigi, ja, ich mag so manches bei meiner Arbeit zu diesem Thema erleben (Stichwort Multivisions-Vorträge und die vielen Diskussionen). Aber was da gerade aktuell draußen in unserer Landschaft passiert, das kann sich Jeder selbst erschließen. Es ist einfach zu offensichtlich! Es gibt nur eine tatsächliche Hürde dabei: Man muss den Mut haben, die Wahrheit, die man überall draußen zu jeder Jahreszeit sehen kann, sich selbst gegenüber zuzulassen. Dann noch ein paar solide Forschungsergebnisse aus dem Internet, der Tagesschau oder sonst wo her akzeptieren, die die letzten Zweifel verräumen.

Tja, und dann? Dann von seinem Stimm- und Wahlrecht Gebrauch machen!

Gott sei Dank geschieht dies zunehmend, diese Rückkopplung erhalte ich immer wieder über meine Vorträge. Immer mehr Menschen gehen auf die "Bauern" zu und sprechen sie direkt an. Einfach so, während die "Bauern" ihrer Arbeit auf den Produktionsflächen nachgehen. In der "Illusion" werden diese Flächen noch gerne als Felder bezeichnet. Du musst mal Landwirtschafts-Zeitungen lesen, da klingt das alles ganz anders, viel realistischer.
Aber zurück zu dem Ansprechen der "Bauern", zum offenen "Voten": Häufig kommt es natürlich bei solchen Gesprächen schnell zu – ich nenne es mal vorsichtig – Diskrepanzen. Aber alles nun Folgende ist eine Frage der Konfliktfähigkeit. Jedenfalls merken die "Bauern", dass das, was sie da so den lieben langen Tag alles machen, nicht so einfach hingenommen wird. Und eines sollten wir Menschen mittlerweile gelernt haben:

Veränderungen kommen immer von unten.

Das zeigt ein Blick auf unsere Geschichte sehr deutlich.

Liebe Grüße,

Roland

 

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