Früher Frühlingsbote: der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)

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Früher Frühlingsbote: der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)

Mo, 20/02/2017 - 08:53
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Er kriecht im zeitigen Frühjahr als einer der Ersten aus dem Laub – Ein Foto-Shooting mit dem beliebten Frühlingsboten.

Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) gehören zu unseren häufigsten und bekanntesten Schmetterlingsarten. Und sie erfreuen uns jedes Jahr aufs Neue, wenn sie im zeitigen Frühjahr aus ihren Überwinterungsverstecken auftauchen und die Männchen mit ihrem kaum zu übersehenen Patrouillen-Flug das Frühjahr einläuten.

Ich war eher zufällig Zeuge, als ein männlicher Zitronenfalter sein Winterquartier in einem kleinen Laubhaufen verließ. Nach Monaten des Tiefschlafs von den ersten wärmenden Sonnenstrahlen aufgeweckt, krabbelte er vorsichtig aus seinem kalten, dunklen Versteck, um sich aufzuwärmen. Ich hatte meine Kamera dabei und konnte diesen selten zu sehenden Vorgang festhalten.

Im Laub des letzten Herbst erscheinen ganz langsam und behutsam die Antennen des Zitronenfalters.

Olympus E-M1; Sigma 105mm f/2.8 Macro; ISO 100; Blende 8.0; 1/250 Sek.
 

Das Zitronenfalter-Männchen schiebt seinen Kopf in den zarten Sonnenstrahl.

Olympus E-M1; Olympus 90mm f/2.0 Macro; ISO 100; Blende 2.8; 1/250 Sek.
 

Stück für Stück klettert der gelbe Frühlingsbote...

...aus dem schützenden Herbstlaub heraus, ...

... bis er, völlig befreit, mit seinen Vorderbeinen nach Halt sucht.

Alle vier Fotos: Olympus E-M1; Sigma 105mm f/2.8 Macro; ISO 100; Blende 8.0; 1/250 Sek.

 

Der Falter mit dem langen Leben

Zitronenfalter sind die langlebigsten Schmetterlinge Europas. Sie werden als Imago (voll entwickelter Falter) fast ein ganzes Jahr alt.

Im Juli schlüpfen aus den Falterpuppen die reifen Schmetterlinge, die im Oktober ihr Winterversteck aufsuchen. Dort überwintern sie die kommenden vier Monate, bis sie Ende Februar – wie in dieser kleinen Geschichte zu sehen – von den ersten warmen Sonnenstrahlen aus ihrem Versteck gelockt werden.

Die kräftig gelb gefärbten, partnersuchenden Männchen begeben sich auf den auffälligen Patrouillen-Flug vor allem entlang von Weg- und Waldrändern. Nach der Paarung mit den grünlichweißen Weibchen werden noch im Vorfrühling die Eier abgelegt, insbesondere an Faulbaum. Im Juni – also fast ein Jahr nach ihrem Schlupf – sterben die Zitronenfalter dieser ersten Generation, während wenige Tage später bereits die Falter der zweiten Generation schlüpfen. Sie suchen sich dann im Oktober ebenfalls ein Überwinterungsquartier.


Das Falter-Männchen ruht sich, nachdem es erfolgreich dem Laubhaufen entstiegen ist, eine Weile auf einem Blatt aus.

Olympus E-M1; Sigma 105mm f/2.8 Macro; ISO 500; Blende 8.0; 1/250 Sek.

Das Zitronnenfaler-Männchen setzt sich quer zum auftreffenden Sonnenstrahl, um über die Flügel-Adern möglichst viel Wärme aufzunehmen. 

Olympus E-M1; Olympus 90mm f/2.0 Macro; ISO 200; Blende 8.0; 1/640 Sek.

Wirksamer Frostschutz

Zitronenfalter müssen sich zur erfolgreichen Überwinterung keine klimabegünstigten Verstecke suchen. Sie sind mit einer Art inneren "Gefrierschutz" ausgestattet. Zu Beginn der Winterzeit scheiden die Falter einen Großteil ihrer Körperflüssigkeit aus, die sie während der Ruhephase nicht benötigen. In die Rest-Flüssigkeit lagern sie Zucker-Alkohole ein, die den Gefrierpunkt deutlich herabsetzen. So können sie die niedrigen Temperaturen unserer Wintermonate schadlos überstehen – zum Beispiel unter einer Handvoll Herbstlaub.


Der Zitronenfalter sitzt noch eine Weile ruhend auf den Laubblättern. Ab und zu verändert er seine Position, ganz gemächlich dem wandernden Sonnenstrahl hinterher.

Olympus E-M1; Sigma 105mm f/2.8 Macro; ISO 400; Blende 7.1; 1/80 Sek.
 

Olympus E-M1; Olympus 80mm f/4.0 Macro-Kopf am Balgengerät; ISO 100; Blende 8.0; 1/250 Sek.
 

Olympus E-M1; Olympus 90mm f/2.0 Macro; ISO 200; Blende 8.0; 1/125 Sek.
 

Nachdem der Schmetterling wieder zu Kräften gekommen ist und sich an die veränderte Licht- und Wärmesituation gewöhnt hatte, flog er leichtflügelig davon – der Beginn des Patrouillen-Flugs. 

Olympus E-M1; Sigma 105mm f/2.8 Macro; ISO 200; Blende 3.5; 1/400 Sek.
 

Farbmal mit Flügelschuppen auf dem Flügel des Zitronenfalter-Männchens. 

Olympus E-M1; Olympus 38mm f/2.8 Macro-Kopf am Balgengerät; ISO 100; Blende 8.0; 1/250 Sek.

Ich wünsche allen Makronisten einen erfolgreichen und spannenden Frühlingsbeginn und  –  "Gut Licht",

Roland Günter
 

Artikel mit ähnlichen Inhalten hier auf Makrotreff:

Der Tanz der Wintermücken – Trichocera hiemalis  –  von Roland Günter

Roland Günter ist Betreiber von Makrotreff und Herausgeber von MAKROFOTO. Der Dipl. Forst-Ingenieur betreibt die Makrofotografie hauptberuflich und verwaltet ein umfangreiches biologisch-wissenschaftliches Bildarchiv.

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt. Zu diesem Themenkomplex werden seit vielen Jahren seine Fotos und Reportagen im In- und Ausland in vielen gängigen Zeitschriften und Buchproduktionen publiziert.

Kommentare

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ADMIN

Hallo Gabi,

der Falter hat es mir ziemlich einfach gemacht, da er noch ein wenig "winterklamm" war.
Es war wirklich ein glücklicher Zufall, dass ich ihn bereits entdeckt hatte, als er erst mit den Fühlern "fühlen" kam, ob es schon warm genug war :-).

Lieber Gruß,

Roland

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ADMIN

Hallo Fatty,

na, mit Zitronen habe ich ihn jedenfalls nicht gelockt ....!

Wie Du meinen paar wenigen Zeilen zu den Fotos entnehmen kannst, habe ich ihn tatsächlich zufällig entdeckt, als er sein Überwinterungsquartier verließ. Und genau darin lag die Chance. So ein Zufall (oder besser gesagt genau dieser Zufall - siehe unten PS) ereignet sich nämlich nicht ständig.
So unspektakulär dieses Ereignis irgendwo ist (da verlässt ein Zitronenfalter sein Überwinterungsquartier), so unauffällig ist dieses auch - und deshalb sieht man es nicht all zu oft. In der Regel zeigen sich die Falter erst, nachdem sie "aufgewacht" sind und auffällig rumflattern. Dieses Rumflattern ist der Patrouillenflug der Männchen - schrieb ich ebenfalls oben im Text. Und da kannst Du stunden- und tagelang hinterherlaufen, bis sie sich mal hinsetzen. Sie leben erst mal von eingelagerten Zuckervorräten, die ihnen die Kraft für zumindest die ersten Patrouillenflüge geben, denn nektarspendende Nahrungspflanzen sind ja so früh im Jahr so gut wie nicht vorhanden!

Später im Jahr hat man dann eher die Möglichkeit, die hübschen gelben Falter beim Nektarschlürfen auf vor allem Distelblüten anzutreffen - und dann dabei auch zu fotografieren. Aber das ist dann natürlich ein völlig anderes Verhalten, zu einer völlig anderen Jahreszeit - also eine völlig andere Bildaussage.

Lieber Gruß,

Roland

PS:
Nun bietet sich hier natürlich die Möglichkeit, mal in angebrachter Kürze über das Wesen solcher Zufälle zu philosophieren. Insbesondere Leser von irgendwelchen meiner Reportagen in irgendwelchen Zeitschriften äußern öfter: "Booohhr äh, das war aber ein Zufall, dass Du gerade zu dieser Zeit dort an diesem Ort ....".

Das stimmt, und stimmt auch wieder nicht! Oft weiß ich zwar nicht im Voraus, was sich vielleicht in Kürze ereignen wird. Aber die Dichte von Zufallsereignissen lässt sich durchaus steuern. Anders ausgedrückt: Wer viel draußen rumläuft, erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit, sogenannte Zufälle zu erleben. Tja, und so "entstand" auch nach vielen Jahren des draußen Rumlaufens der Zufall, dass ich bei dem unspektakulären Ereignis dabei war, als ein Zitronenfalter sein Überwinterungsquartier verließ.

 

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Makronist

Sehr interessante Doku Roland!

Auch gespickt mit aufschlußreichen Bildern.

Ich kann das nur bestätigen. Zitronenfalter sind echte Frühlingsboten.

Bei uns schwirren sie auch auf einmal rum, meist im lichten Walde.

Jetzt weiß ich auch warum.

Danke!

Makro-TT

Ps.: Trifft das auch auf den Admiral zu? Den habe ich sogar im Winter im Wald rumschwirren gesehen!

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Hallo Roland,

mir fällt auf, dass du mehrfach das Objektiv gewechselt hast - wie lange hat der ganze Vorgang des Beobachtens zum einen gedauert, und wie ist es dir gelungen, trotz dieser Aktionen immer wieder so dicht an das Tier heranzukommen?

Herzliche Grüße

Mainecoon

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ADMIN

Hallo Mainecoon,

der gesamte Vorgang dauerte schon eine Weile, so etwa zwei Stunden. Der Falter war zunächst träge und musste sich erst einmal orientieren und akklimatisieren. Diese Zeit verbrachte ich mit ihm zusammen. Ich bewegte mich währenddessen ganz langsam und vorsichtig, sodass für ihn erkennbar keine Gefahr von mir ausging. So "freundeten" wir uns an – und ich konnte behutsam die Fotos machen.

Genau dieser Falter (ich erkannte ihn an einem bestimmten individuellen Merkmal am Flügel) besuchte mich die Folgetage mehrfach. Er setzte sich wiederholt auf meinen Arm und wir tauschten uns aus :-). Erstaunlicherweise (oder auch nicht!) machte er das nur bei mir, nicht bei anderen anwesenden Menschen. Es scheint eine Art Individualprägung stattgefunden zu haben (*grins*).

Lieber Gruß,

Roland

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